Schönes Spiel! – 525.000 EUR Bußgeld für den niederländischen Tennisbund

Die niederländische Datenschutzaufsichtsbehörde AP (Autoriteit Persoonsgegevens) teilte unlängst mit, dass sie gegen den königlich niederländischen Tennisbund (KNLTB) ein Bußgeld in Höhe von 525.000 Euro verhängt hat.

Bereits zu Beginn des Jahres 2018 kündigte der Tennisbund in Newslettern und auf ihrer Website an, um Sponsoren individuelle Mitgliedschaftsdaten zur Verfügung zu stellen, damit die Mitglieder sich „Tennis- und anderen Angeboten“ nähern können. Für eine Reihe von Mitgliedern des KNLTB war dies Grund genug, die Behörde hierüber in Kenntnis zu setzen. Darüber hinaus wandte sich ein KNLTB-Mitglied an die Medien, um öffentlich zu hinterfragen, ob diese Praktik mit dem (damals noch künftigen) Datenschutzrecht zu vereinbaren sei.

Im Sommer 2018 erhielt die AP die ersten Beschwerden über die KNLTB. Es handelte sich um Mitglieder, die telefonisch mit einer Werbekampagne angesprochen worden waren, in der ihnen mitgeteilt wurde, dass die Aktion in Zusammenarbeit mit der KNLTB stattfinde. Anfang Oktober 2018 fand hierauf ein Gespräch zwischen Vertretern von Tennisbund und Behörde statt. Dieses Gespräch, die Hinweise und Beschwerden betroffener Personen, die Berichterstattung des KNLTB und die Aufmerksamkeit der Medien veranlassten die AP, im Oktober 2018 eine Untersuchung einzuleiten.

Dies war offenbar umso zwingender, als dass der Überwachungsrahmen der Behörde für den Zeitraum 2018-2019 vorsah, sich in diesen Jahren insbesondere auf den Handel mit personenbezogenen Daten zu konzentrieren. Die AP stellte hauptsächlich fest, dass die Menschen darauf vertrauen können sollten, dass Organisationen keine personenbezogenen Daten ohne Grundlage übertragen.

Ergebnis der Untersuchung

Der KNLTB gab nach Angaben der Behörde zwei Gründe für die Übermittlung personenbezogener Daten an Sponsoren an, nämlich einen Mehrwert für die Mitglieder zu schaffen und zusätzliches Einkommen zu erhalten, um hierdurch den Rückgang des Beitragseinkommens aufgrund sinkender Mitgliederzahlen auszugleichen.

Am 11. Juni 2018 schickte der KNLTB einem Sponsor eine Datei mit Adressdaten von 50.000 Mitgliedern.

Am 29. Juni 2018 hat der KNLTB eine weitere Datei mit persönlichen Informationen über Mitglieder bereitgestellt. Die Daten wurden vom Sponsor verwendet, um 39.478 Mitglieder telefonisch mit einem Angebot zu kontaktieren. Die Aktion wurde auf Antrag des KNLTB vorzeitig beendet.

Die Entscheidung, Sponsoren Mitgliederdaten zur Verfügung zu stellen, wurde 2007 und Ende 2017 vom KNLTB getroffen. 2007 wurde beschlossen, den Sponsoren Daten für Werbung per Post und Ende 2017 zur Ansprache per Telefon / Telemarketing zur Verfügung zu stellen.

In dem Bericht stellte der AP zunächst fest, dass die Erhebung der bereitgestellten Daten rechtmäßig war, da dies notwendig war, um Mitglied des KNLTB zu werden.

Dennoch hat die AP in der Untersuchung festgestellt, dass die Mitglieder dem KNLTB ihre Einwilligung zur Übermittlung der personenbezogenen Daten an die Sponsoren nicht erteilt haben. Die Behörde stellt klar, personenbezogene Daten könnten verarbeitet werden, wenn eine gesetzliche Grundlage dafür bestehe. Eine dieser Grundlagen sei die Einwilligung. Sie müsse durch eine eindeutige Maßnahme erteilt werden, aus der hervorgehe, dass die betroffene Person der Verarbeitung personenbezogener Daten frei, spezifisch, informiert und eindeutig zustimme.

Schließlich hat die AP festgestellt, dass für einige der personenbezogenen Daten der Zweck der Erhebung nicht mit dem Zweck der Übermittlung an Sponsoren vereinbar war. Die Behörde legt dar, sie habe diese Kompatibilität anhand einer Reihe von Faktoren bewertet, beispielsweise anhand des Rahmens, in dem die personenbezogenen Daten erhoben werden. Für den anderen Teil der bereitgestellten personenbezogenen Daten stellte die AP fest, dass der KNLTB die Datenübermittlung an die Sponsoren nicht auf dem berechtigten Interesse hätte begründen dürfen.

Fazit

Die AP kommt nach einer Untersuchung zu dem Schluss, dass die Bereitstellung personenbezogener Daten an die beiden Sponsoren durch die KNLTB gegen die DSGVO (nl.: „AVG“, „Algemene Verordening Gegevensbescherming“) verstößt. Der KNLTB hätte die Informationen nicht übermitteln dürfen.

Die Datenschutzexperten von scienITec wissen, wie schnell personenbezogene Daten versehentlich oder zu vermeintlich guten Zwecken an Dritte übermittelt werden oder sich in Verarbeitungen wiederfinden, deren Zweck nicht mit dem Zweck der Erhebung übereinstimmt. Das absichtliche Verkaufen von Kundendaten zum Zwecke der Kompensation rückläufiger Umsatzzahlen stellt demgegenüber eine Praktik dar, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiteren Kundenschwund und weiter sinkenden Umsatzzahlen mit sich zieht. Ein – wie wir finden – sehr kurzsichtiger Ansatz.

Wir helfen Ihnen, das erforderliche Bewusstsein für die Bedeutung des Datenschutzes in Ihrem Unternehmen zu schaffen und etablieren ein Datenschutz Management, das hilft, bußgeldbewehrten Sachverhalte zu vermeiden. Sprechen Sie uns einfach an!

Pressemeldung der AP (in niederländischer Sprache):
https://autoriteitpersoonsgegevens.nl/sites/default/files/atoms/files/samenvatting_onderzoek_knltb.pdf